Digital Capacity Management (DCM) – Europäische Digitalisierung des Kapazitätsmanagements

Mit dem europäischen Digital Capacity Management (DCM) entsteht erstmals ein vollständig digitalisierter und harmonisierter Prozess der Fahrplanerstellung in Europa. Die ÖBB-Infrastruktur AG gestaltet diese Digitalisierung aktiv mit und beteiligt sich gemeinsam mit RailNetEurope (RNE) und weiteren europäischen Infrastrukturbetreibern am geförderten EU‑Projekt „Digital Capacity Management – Implementation 2024–2027“ (DCM IMP 24–27).

Das Projekt wird im Rahmen des EU‑Programms Connecting Europe Facility (CEF) gefördert und setzt wesentliche Elemente aus der Kapazitätsverordnung sowie der zugrunde liegenden Initiative TTR – Timetable and Capacity Redesign for Smart Capacity Management – um.

Ziel ist es, die bisher überwiegend manuellen und national geprägten Fahrplanerstellungsprozesse in einen europaweit harmonisierten, digitalen Prozess weiterzuentwickeln. Damit entsteht eine moderne, interoperable und digitale Basis für die europäische Zusammenarbeit im Bahnsektor- und damit eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Systems Eisenbahn in Europa.

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Warum DCM wichtig ist?

Mit dem Digital Capacity Management sollen europaweit:

  • mehr Kapazität geschaffen werden(+4 % zusätzliche Züge auf dem Netz)
  • pünktlichere und stabilere Betriebsabläufe erreicht werden
  • grenzüberschreitende Abstimmungen verbessert werden (z. B. bei Bauarbeiten, sogenannten Temporary Capacity Restrictions – TCRs)
  • digitale, automatisierte und transparente Prozesse für Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) entstehen
  • eine einheitliche IT‑Architektur aufgebaut werden, in der nationale Systeme mit zentralen europäischen Tools verbunden sind

Geförderte Projekte der ÖBB-Infrastruktur AG

Die ÖBB‑Infrastruktur AG bringt Projekte aus folgenden Bereichen zur Förderung ein.

Advanced Capacity Planning

Fokus: Schrittweise Verfeinerung der Kapazitätsplanung

  • Bereitstellung des Kapazitätsmodells

    Das Kapazitätsmodell bildet einen typischen Verkehrstag mit den verfügbaren Fahrwegkapazitäten ab. Diese werden den Verkehrsarten (Fern-, Nah-, Güterverkehr) zugeordnet; größere Kapazitätseinschränkungen (TCRs) sind enthalten.
    Die Fahrwegkapazitäten werden Verkehrsarten (z.B. Personenfernverkehr, 

    Die ÖBB Infrastruktur AG erstellt das Modell und übermittelt es künftig automatisiert an das europäische Tool CPT (Capacity Planning Tool). Dort werden Grenzkapazitäten mit 
    den benachbarten Infrastrukturbetreibern abgestimmt.

    Ziel: Veröffentlichung eines europaweit harmonisierten Kapazitätsmodells mit CPT 18 Monate vor Fahrplanwechsel.

  • Automatisierte Bereitstellung von TCR-Daten

    Beschreibende Informationen zu TCRs werden automatisiert an CPT übermittelt, dort zwischen Infrastrukturbetreibern abgestimmt und sind für EVUs europaweit einseh- bzw. als Daten beziehbar. Das Vorhaben umfasst eine neue Schnittstelle für die automatisierte Übermittlung dieser TCR-Daten.

  • Vorbereitung des Kapazitätsangebots

    Das Kapazitätsangebot deckt die gesamte Fahrplanperiode ab, berücksichtigt TCRs,
    enthält verkehrsartenspezifisch gewidmete Fahrwegkapazitäten und bildet die Basis für EVU-Fahrwegkapazitäten-Begehren. Konforme Begehren werden laut Kapazitätsverordnung prioritär behandelt.

    Ziel: Veröffentlichung eines europaweit harmonisierten Kapazitätsangebots im CPT 11 Monate vor Fahrplanwechsel. Dafür werden die Systeme der ÖBB-Infrastruktur AG entsprechend weiterentwickelt.

Capacity Allocation & Capacity Broker

Fokus: Digitalisierung und effizientere Nutzung der Fahrwegkapazität

  • Vollautomatische Beantwortung kurzfristiger Anfragen

    Eine Machbarkeitsstudie klärt, wie ad hoc Begehren künftig automatisch beantwortet werden können.

  • Stornierungsentgelt

    Das Streckennetz der ÖBB Infrastruktur AG zählt zu den drittstärkst ausgelasteten in Europa. Ein Stornierungsentgelt schafft Anreize, Kapazitäten verlässlich zu nutzen und unnötige Stornierungen zu vermeiden. Das erhöht die Effizienz, Qualität und Pünktlichkeit im Gesamtnetz.

  • Standardisierte, digitale Kapazitätsbegehren

    EVUs übermitteln ihre Begehren künftig gemäß Telematics TSI digital.

  • Anbindung an den europäischen Kapazitätsbroker PCS (Path Coordination System)

    PCS ermöglicht EVUs, internationale Kapazitäten über mehrere Länder in einem Tool zu bestellen; die Abstimmung der Grenzzeiten wird digital unterstützt. Das Vorhaben umfasst eine neue Schnittstelle zu PCS; auch hier gilt Telematics TSI.

Digital Infrastructure Data & Interfaces

Fokus: Europäisch harmonisierte Infrastruktur- und Betriebsdaten

  • Synchronisierung der Infrastrukturdaten

    Ziel ist es sicherzustellen, dass für die Prozesse der Fahrplanerstellung und Betriebsführung alle Systeme der ÖBB Infrastruktur AG dieselben Infrastrukturbasisdaten verwenden. Zusätzliche Synchronisierungsmechanismen sichern einen stabilen Datenaustausch und schaffen die Basis für die externe Bereitstellung, insbesondere an das europäische Eisenbahnregister (RINF).

  • Bereitstellung von Infrastrukturdaten an das europäische Infrastrukturregister (RINF)

    EVUs nutzen RINF u. a., um zu prüfen, ob ein Zug mit seinen Eigenschaften (z. B. Lichtraumprofil) auf einer bestimmten Strecke oder einem bestimmten Gleis verkehren darf. Dafür stellt die ÖBB Infrastruktur AG konsistente Daten in Planung, Betrieb und RINF Meldung sicher.

  • „Train Composition Message“ in der Zugvorbereitung

    EVUs stellen die tatsächliche Zugszusammenstellung vor Abfahrtsbereitschaft und während der Fahrt digital bereit – gemäß Telematics TSI über die Train Composition Message. Die Systeme der ÖBB Infrastruktur AG werden dafür empfangs  und verarbeitungsfähig erweitert.

  • Aufbau einer Administrationsplattform

    Eine Administrationsplattform unterstützt bei der Einrichtung und Verwaltung der verschiedenen Schnittstellen laut Telematics TSI.

Technischer und strategischer Nutzen von DCM

  • Harmonisierung europäischer Prozesse 
  • Telematics TSI als Standard für den Datenaustausch zwischen Infrastrukturbetreibern und EVUs
  • Verbesserung der Planungs- und Datenqualität
  • Effizientere Nutzung der verfügbaren Fahrwegkapazität
  • Stärkung der Digitalisierung in den Systemen 
  • Anbindung der Systeme an die europäischen Tools
  • Klare Implementierungsschritte zur Umsetzung der Kapazitätsverordnung
  • Weniger manueller Aufwand für EVU und Infrastrukturbetreiber
  • Bessere Abstimmung internationaler Zugverkehre und Baustellen

Finanzierung und Umsetzung

Das Projekt wird über CEF II gefördert; die ÖBB Infrastruktur AG bringt eigene Mittel und Expertise ein. Förderzeitraum: April 2024 bis Dezember 2027.
Die geförderten Vorhaben umfassen mehrere Millionen Euro an Entwicklungs  und Implementierungskosten.

Fazit: Ein Meilenstein für die europäische Bahn

DCM schafft einen neuen, digitalen Ansatz für Planung, Vergabe und Management von Fahrwegkapazität. Die ÖBB Infrastruktur AG investiert in Digitalisierung, Standardisierung, Datenqualität, Automatisierung und Interoperabilität – für mehr Verkehr auf der Schiene, bessere internationale Abstimmung und ein durchgängig digitales europäisches Bahnsystem.