Telematics (TEL) TSI

Die Telematics TSI schafft einen gemeinsamen europäischen Rahmen für die interoperable Datennutzung im Schienenverkehr. Sie führt die bisherigen technischen Spezifikationen für Telematikanwendungen im Güterverkehr (TAF TSI) und im Personenverkehr (TAP TSI) zusammen.

Visualisierung einer digitalen Infrastuktur mit Gleisen

Einheitliche Anforderungen

Die TEL TSI legt gemeinsame technische und funktionale Anforderungen für den digitalen Datenaustausch zwischen den beteiligten Akteuren fest. Zu diesen zählen insbesondere Eisenbahnverkehrsunternehmen, Infrastrukturbetreiber sowie weitere Akteure, die Aufgaben in den erfassten Prozessen wahrnehmen. Ziel ist ein transparenter, diskriminierungsfreier und interoperabler Datenaustausch im europäischen Eisenbahnsektor.

EU-weit standardisierter Datenaustausch

Die bisherigen Verordnungen (EU) Nr. 1305/2014 zur TAF TSI und (EU) Nr. 454/2011 zur TAP TSI wurden durch die Durchführungsverordnung (EU) 2026/253 zur TEL TSI zusammengeführt und aufgehoben. Die neue Verordnung wurde am 6. Februar 2026 erlassen, am 10. Februar 2026 veröffentlicht und trat am 2. März 2026 in Kraft. Die TEL TSI umfasst die interoperable gemeinsame Nutzung von Daten in unterschiedlichen Bereichen des Schienenpersonen- und Schienengüterverkehrs. Dazu gehören insbesondere das Kapazitäts- und Verkehrsmanagement, die Zugvorbereitung, Zugverkehrsinformationen, das Management von Güterwagen und Ladungen, elektronische Frachtbegleitdokumente sowie Reiseinformation und Fahrkartenausstellung.
Die technischen und funktionalen Vorgaben betreffen unter anderem harmonisierte Datenstrukturen, Referenzdaten, Datenqualität, sichere Datennutzung sowie standardisierte digitale Schnittstellen. Damit wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der beteiligten Akteure unterstützt und die Digitalisierung schienenverkehrsbezogener Prozesse vorangetrieben.
 

Ziele & Vorteile von Telematics TSI

ausgestreckter Arm von links nach rechts, Zeigefinger auf grafische Darstellung von Linien und Knotenpunkten gerichtet
    • Harmonisierter Datenaustausch im europäischen Eisenbahnsektor
    • Gemeinsame technische & funktionale Anforderungen
    • Europaweit einheitliche Identifikation relevanter Akteure, Orte & Objekte
    • Bessere Datenqualität & höhere Verfügbarkeit aktueller Informationen
    • Effizientere Planung, Disposition & betriebliche Zusammenarbeit
    • Förderung transparenter & diskriminierungsfreier Datenzugänge
    • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Schienenverkehrs

Umsetzung bei der ÖBB INFRA

Die Telematics TSI bietet eine große Chance, die betrieblichen als auch fahrplanbezogenen Prozesse stärker zu harmonisieren und digital zu unterstützen, und damit die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Eisenbahnsektors zu verbessern. Für Österreich ist dies aufgrund des hohen Anteils grenzüberschreitender Verkehre und seiner Lage im transeuropäischen Eisenbahnnetz besonders relevant. Die ÖBB-Infrastruktur AG unterstützt die europäische Standardisierung und setzt die für sie maßgeblichen Anforderungen schrittweise um. Dabei werden bestehende Lösungen und laufende Umsetzungsprojekte berücksichtigt.

Logo Kofinanziert von der Europäischen Union<br/>Textinsert: Links EU-Fahne, rechts blau Kofinanziert von der Europäischen Union

Informationen zu geplanten Umsetzungsschritten, verfügbaren Schnittstellen und Auswirkungen auf Kund:innen werden auf dieser Website laufend veröffentlicht.

Erläuterung relevanter Begriffe

  • Standardisierte Telematics TSI-Nachrichten

    Für den systemtechnischen Datenaustausch zur Abwicklung der Hauptanwendungsfälle Trassenbestellung, Zugvorbereitung und Zuglaufinformation sind standardisierte Nachrichten gemäß Telematics TSI anzuwenden. Bei den standardisierten Datenformaten handelt es sich um Schemadefinitionen im XSD-Format. Die Abfolge der Telematics TSI-konformen Meldungen ist im Handbuch der Joint Sector Group in Form von Sequenz-Diagrammen festgelegt (siehe Download und Links/Ordner Zusätzliche Informationen). Weitere Details finden Sie auch in der Präsentation "TEL TSI - Identifier" (siehe ebenda/Ordner Trassenbestellung).

     

  • Primary Location Code (PLC) & Subsidiary Location Code (SLC)

    PLC (Primary Location Code) und SLC (Subsidiary Location Code) spielen eine zentrale Rolle bei der eindeutigen Identifikation von eisenbahnrelevanten Standorten (Betriebstellen) am Netz.

    • PLCs (Primary Location Codes) sind standardisierte, europaweit eindeutige Codes zur Identifikation von Betriebsstellen (Primary Locations) im Schienenverkehr. Sie werden in den Telematics-Spezifikationen verwendet, um eine einheitliche, europaweit gültige Standortreferenzierung zu gewährleisten. Grundlage für die PLCs am Netz der ÖBB-Infrastruktur AG ist das Verzeichnis der Betriebsstellencodes DB640.
    • SLCs (Subsidiary Location Codes) sind ergänzende detailliertere Codes, die spezifische Bereiche innerhalb einer Primary Location beschreiben, z. B. einzelne Gleise oder Ladestellen in einer Betriebsstelle. Sie ermöglichen eine präzisere Standortangabe in einer Betriebsstelle und sind daher immer einem PLC zugeordnet. Abhängig von der Funktion am Schienennetz gibt es unterschiedliche SLC-Arten (01 Track etc.).

    Primary Location
    Eine Primary Location entspricht im Wesentlichen den nationalen Betriebsstellen. Hier können Zugfahrten stattfinden. PLCs werden vom zuständigen Infrastrukturunternehmen (EIU) verwaltet. Beispiele: Bahnhöfe, Verschubbahnhöfe, Haltepunkte, Übergabepunkte, Grenzpunkte. Basierend auf den Prozessen der nationalen Einrichtung werden Primary Locations durch eindeutige Primary Location Codes (PLC) identifiziert. Der Primary Location Code setzt sich aus dem Ländercode und dem Location Code zusammen und hat einen Gültigkeitszeitraum.

    Verwaltung von Primary Location und Subsidary Locations
    Railway Infrastructure System (RIS) ist als zentrale Plattform für digitale Eisenbahninfrastrukturdaten im Eisenbahnsektor gedacht und soll als Grundpfeiler für zahlreiche andere Systeme innerhalb des Sektors fungieren – insbesondere in den Bereichen Vertrieb, Kapazitätsplanung und Betrieb. Die Central Reference Files Database (CRD) ist die zentrale Datenbank in Europa für die Location Codes (PLC und SLC), Company Codes (CC) und Länder. Betrieben wird die CRD von Rail Net Europe (RNE).


    ​ Weitere Informationen zu den Begriffen, zur Verwaltung und zum Vergabeprozess von PLC und SLC finden Sie in den entsprechenden Unterlagen auf der Seite Download und Links.

  • Common Interface (CI)

    Telematics TSI verfolgen das Ziel des europaweiten Datenaustausches für den Zugverkehr. Das Common Interface (CI) ist eine Peer-to-Peer-Anwendung, welche den Nachrichtenaustausch gemäß Telematics TSI unterstützt. Es ermöglicht dabei auch die Anbindung von Legacy Systemen, die kein Telematics TSI unterstützen. 

    Welche Leistungen bietet das Common Interface?
    Das Common Interface unterstützt die Übertragung von Telematics TSI-Nachrichten mit folgenden Eigenschaften:

    • Nachrichtenformatierung ausgehender Nachrichten gemäß den Metadaten
    • Signieren und Verschlüsseln von ausgehenden Nachrichten
    • Adressierung der ausgehenden Nachrichten
    • Echtheitsprüfung der eingehenden Nachrichten
    • Entschlüsselung eingehender Nachrichten
    • Konformitätsprüfungen eingehender Nachrichten anhand von Metadaten
    • Abwicklung des einheitlichen gemeinsamen Zugriffs auf verschiedene Datenbanken
    • Nachweisbarkeit der Übertragung von Nachrichten an Partner

    Was für einen Vorteil hat mein Unternehmen, wenn es das CI einsetzt?
    Das CI besitzt ein ERA Zertifikat, welches sicherstellt, dass das CI die Kriterien zum Datenaustausch mit Telematics TSI erfüllt. Die RNE als Lizenzgeber bietet für den Betrieb einen Service Desk an. Darüber hinaus entstehen keine Entwicklungsaufwände, da es von der RNE lizenziert werden kann. 

    Wie kann ich das Common Interface installieren?
    Bis Ende 2025 wurde das Common Interface in der Version 2.x unterstützt. Es kann auf allen gängigen Windows und Linux Systemen (Achtung: MySQL DB geht nicht auf neuen Linux Servern) installiert werden. Ab 2026 wird auf das Common Interface 3.x umgestiegen, welches einen größeren Funktionsumfang bietet (weitere Konnektoren für die Anbindung von Legacy Systemen) und durch seine modulare Architektur eine bessere Skalierbarkeit und Hochverfügbarkeit ermöglicht. 

    Wie kann ich das Common Interface erwerben?
    Neben der CI Software wird auch ein X-509 Zertifikat über folgende Seite erworben: Common Interface - RNE – RailNetEurope | Association For Facilitating Traffic On European Rail Infrastructure.
    Das X-509 Zertifikat ist notwendig, um über das CI Daten austauschen zu können.

    Gibt es Alternativen zum Common Interface?
    Alternativ kann eine selbst entwickelte oder von einem anderen Anbieter erworbene Schnittstellen-Software für die Bereiche Fahrplanung und Betrieb genutzt werden; die Spezifikationen gibt die RNE bzw. die ERA vor. Unternehmen können sich natürlich zusammentun, um Aufwand und Kosten zu reduzieren.

    Wie kann ich Daten über das Common Interface mit der Infrastruktur AG austauschen?
    Um Telematics TSI-Daten mit der ÖBB INFRA auszutauschen, nehmen Sie bitte Kontakt mit ci.taf-tap.infra@oebb.at auf.
     

    ​ Mehr Details zum Begriff Common Interface finden Sie in den entsprechenden Unterlagen auf der Seite Download & Links.