Frau mit EU Flagge auf einem Bahnsteig in Europa

Mehr Europa für die Schiene. Am 9. Mai ist Europatag.

Der 9. Mai 1950 gilt als Geburtstag der heutigen EU. An diesem Tag schlug der französische Außenminister Robert Schuman in einer Rede die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vor, deren Mitglieder ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen sollten. Diese wurde ein Jahr später auch Realität. Eine echte Erfolgsstory.

Seitdem gab es zwischen den Mitgliedsstaaten keine Kriege mehr. In den Jahrzehnten danach wurden immer mehr Bereiche auf überstaatliche Ebene verlagert. Ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist.

„Nationale“ Schiene

Die EU fußt auf vier Freiheiten: dem freien Personen-, Dienstleistungs-, Kapital- und Warenverkehr. Da wäre es doch logisch, auch im Eisenbahnverkehr mehr europäisch zu denken. Die Realität sieht aber meist anders aus. Es gibt wohl kaum einen Bereich, der noch immer so nationalstaatlich ausgerichtet ist, wie die Eisenbahn. Zwar hat die EU-Kommission den Willen das zu ändern. Es existieren auch zahlreiche europäische Institutionen und Pläne. Doch wo es geht, blockieren noch immer viele Mitgliedsstaaten.

Langsam wachs ma zam

Dazu ein Beispiel. Im Rahmen der Güterverkehrskorridore, in denen Ministerien und Eisenbahnverkehrsunternehmen vertreten sind, wird seit einigen Jahren versucht, durch internationale Koordination Grenzwartezeiten zu verkürzen, Kommunikationsdefizite zu beseitigen und die Trassenzuweisung kundenfreundlicher zu gestalten. Auch die Harmonisierung von Vorschriften spielt eine große Rolle. Nur so wächst Europa auch auf den Schienen zusammen.

„Was in der Theorie einfach aussieht, ist im Alltag mühsam. Unterschiedliche Mentalitäten und Interessen der Länder, vor allem aber das Vetorecht bei Abstimmungen, stehen notwendigen Veränderungen oft im Weg. Gerade wir als ÖBB-Infrastruktur machen aber ständig Druck, damit wir mehr Fortschritte erzielen“, schildert Harald Hotz, Leiter des Europäisches Korridormanagements, Assetmanagement und Strategische Planung.

Mehr grenzüberschreitend denken

Gerade jetzt bieten sich der Bahn in Europa große Chancen. Der Recovery Plan oder der European Green Deal stellen große Mittel für den umweltfreundlichen Verkehr zur Verfügung, um die ambitionierten Klimaziele zur Reduktion der Treibhausgase erreichen zu können.

Der Bahn als nachhaltiges Massenverkehrsmittel gehört in der EU die Zukunft. Dazu überwinden wir schrittweise nationalstaatlich geprägte Sichtweisen. Mehr Europa für die Schiene bringt allen was! Dafür steht der Europatag.