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Aktuelles

Aktuelle Informationen rund um den Semmering-Basistunnel.

Fragen und Antworten zu Trübungen in Göstritzbach, Auebach und Schwarza (19.08.2019)

Wie ist es zu Wassertrübungen aufgrund der Tunnelbaustelle gekommen?

Während der Tunnelvortriebsarbeiten im Bereich Göstritz des Semmering-Basistunnels sind die Bauarbeiter auf einen unerwarteten Wasserbereich gestoßen. Dieses austretende Wasser ist mit Feinteilen der Breckzie versetzt. Auf diese Weise strömten rund 60 Liter Wasser mit sandigen Feinteilen pro Sekunde in den Tunnel. Die Wassermenge selbst – ohne Sand – ist zu bewältigen – da die Baustelle in diesem Abschnitt auf Wassermengen für bis zu 300 Liter Wasser pro Sekunde vorbereitet ist. Als Herausforderung stellte sich zunehmend die Kombination des Wassers mit dem Sand dar, die einerseits spezielle Schlammpumpen erfordert, um das Wasser in die Gewässerschutzanlage außerhalb des Tunnels zu pumpen. Andererseits setzt sich in der Gewässerschutzanlage der ganz feine Sand nicht komplett ab und wurde daher in das bestehende Gewässersystem geleitet. Dieser ausgespülte Sand verursachte die sichtbare Trübung.

Aktuell ist der Trübungs-Wert unter den Grenzwerten und auch keine Trübung mehr sichtbar. Das haben auch unabhängige Gutachter bestätigt.

Wieso ist man unerwartet auf diese Situation gestoßen?

Der niederösterreichische Bauabschnitt des Semmering-Basistunnels ist tunnelbautechnisch höchst komplex. Das Gestein ist teilweise sehr „bunt zusammengewürfelt“, die Gesteinsarten wechseln in sehr kurzen Abständen. Der Berg führt in diesem Bereich auch einiges an Wasser mit sich.

Im Zuge der Planungen des Semmering-Basistunnels wurde das gesamte Projektgebiet mit rund 280 Probebohrungen in eine Tiefe bis 850 Meter untersucht, um möglichst genau Auskunft darüber zu bekommen, wo sich wasserführende Bereiche befinden. Im vorliegenden Fall dürfte sich genau zwischen diesen Probebohrungen, die man sich wie Nadelstiche vorstellen kann, ein Wasserbereich befinden, den wir beim Tunnelvortrieb unerwartet angetroffen haben.

Ist das getrübte Wasser giftig?

Das Wasser führt feinen Sand mit sich, keine Chemikalien und keine sonstigen Verunreinigungen: es ist also nicht giftig. Andere Werte wie etwa der PH-Wert waren zu jedem Zeitpunkt in Ordnung. Das haben die permanenten Messungen auf der Baustelle ergeben. Dieses Ergebnis wurde auch von der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen bestätigt, welche separat Proben gezogen und analysiert hat.

Sind aufgrund des getrübten Wassers Fische gestorben?

Es sind bis jetzt keine Fische durch das getrübte Wasser aufgrund dieser Bauarbeiten verendet. Die in Medien thematisierte Fischzuchtanlage des Fischereivereins Gloggnitz ist seit zwei Monaten geschlossen. Dies ist einvernehmlich erfolgt, der Verein bekommt von den ÖBB eine jährliche Entschädigung auf Basis eines Gutachtens. Die Fische in fließenden Gewässern sind nicht gefährdet, das haben auch unabhängige Gutachter bestätigt. Eine Gefahr bestünde nur dann, wenn es mehrere Monate die hohe Sandkonzentration geben würde.

Was machen die ÖBB aktuell?

Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Der Wassereinritt besteht weiterhin, konnte aber gefasst werden, wird also geordnet in Leitungen abgepumpt. Es steht kein Wasser mehr im Tunnel. Zudem wurden unter Tage zusätzliche Absetzbecken eingebaut. Komplett abgedichtet kann die Stelle erst werden, wenn weitere Bohrarbeiten in diesem Bereich abgeschlossen sind.

Wieso sind die Bäche nicht vorher überwacht worden?

Die ÖBB beobachten und überwachen laufend alle Quellen und Gewässer im Nahebereich der Baustellen und überprüfen dabei Parameter wie PH-Wert, Temperatur, Sauerstoffgehalt und Menge des Wassers, um sicherzustellen, dass keine Menschen, Tieren und Pflanzen durch Bauarbeiten zu Schaden kommen. Dabei werden die ÖBB regelmäßig von behördlichen Bauaufsichten des BMVIT geprüft. Dieses Beobachtungsprogramm wurde aufgrund der aktuellen Ereignisse intensiviert.

Warum haben die ÖBB nicht früher informiert?

Die ÖBB stehen für transparente Information mit AnrainerInnen und ProjektpartnerInnen. Das Unternehmen veranstaltet Infoabende, Infobaustellentage und Exkursionen. Medienvertreter werden regelmäßig zu Veranstaltungen und Baustellenführungen eingeladen. Darüber hinaus wird bei schweren Unfall-Ereignissen in Abstimmung mit den Einsatzkräften informiert, Die Handynummer der Projektverantwortlichen vor Ort ist vielfach kommuniziert und sollte allen AnrainerInnen bekannt sein.

Im konkreten Ereignisfall haben die ÖBB die behördlichen Sachverständigen des BMVIT sowie die Bezirkshauptmannschaft umgehend informiert. Die weiteren direkt betroffenen Projektpartner wurden sukzessive informiert, als absehbar war, dass die Grenzwerte für die Trübung überschritten werden könnten. Gleichzeitig haben die ÖBB in die Wege geleitet, dass alle BürgerInnen in den Gemeinen Schottwien und Gloggnitz in Form einer Anrainerinformation, die flächendeckend alle 5.000 Haushalte erreicht, informiert werden. Die Zustellung dauert einige Tage. Um zukünftig umgehend informieren zu können, haben die ÖBB auf ihrer Website infrastruktur.oebb.at/semmering-aktuelles eine Rubrik für „Aktuelles“ eingerichtet

Wie stellen die ÖBB sicher, dass so ein Ereignis nicht noch einmal passiert?

Grundsätzlich sind gemäß Probebohrungen für diesen Abschnitt punktuell noch Wassermengen von bis zu 300 Liter pro Sekunde möglich: Dieses Wasser wird jedoch laut Prognose keinen Sand mit sich führen. Alle aus dem Ereignis gewonnenen Erkenntnisse fließen in die weiteren Bauarbeiten ein.

Droht die Göstritzquelle zu versiegen?

Die Wasserquelle der Gemeinde Schottwien führt derzeit weniger Wasser als sonst. Die Ursache dafür ist nicht bekannt. Die ÖBB bauen trotzdem vorsorglich eine zusätzliche Wasserversorgung (Fassen einer Quelle), damit keine Gefahr für das Trinkwasser besteht.

Was hat es mit der Schaumbildung in den Gewässern auf sich?

Die Schaumbildung – darüber haben wir informiert – ist ein optisches Phänomen, aber unbedenklich für Menschen, Tiere und Pflanzen. Die „Bläschen“ auf der Wasseroberfläche entstehen immer dann, wenn der Berg mehr Wasser mit sich führt und deshalb bei den Bauarbeiten bestimmte, unbedenkliche Injektionsmittel zur Festigung und Abdichtung eingesetzt werden.

Wie ist der Stand beim Nachbruch im Bereich Aue?

Die Eintiefung wurde verfüllt und mit einer großen Plane abgedeckt, damit kein Regenwasser zutritt. Wir wissen aus den laufenden Setzungsmessungen auf der Erdoberfläche und im Tunnel, dass sich der Berg in diesem Bereich nicht „bewegt“, das heißt, es sind keine Setzungen oder Verformungen aufgetreten. Um für die weitere Vorgehensweise unter Tage weitere Erkenntnisse zu erlangen, finden in diesem Bereich in den nächsten Wochen zusätzliche Erkundungsbohrungen statt. Zur Erinnerung: Im Mai ist auf der Baustelle Gloggnitz, rund 3.500 Meter im Berg, Gestein und Schlamm in den Tunnel eingedrungen. Danach kam es zu einer Eintiefung in einem unbebauten Waldgrundstück. Die Stelle wird aktuell über die zweite Tunnelröhre in einem gesicherten Vortrieb umfahren und von dort aus saniert.

Wird durch die aktuelle Situation das Genehmigungsverfahren des Semmering-Basistunnels wieder aufgenommen?

Der in den Medien angekündigte Wiederaufnahmeantrag der AfN ist uns inhaltlich nicht bekannt. Die Ereignisse rund um die Wasserzutritte und Wassertrübungen in Göstritzbach, Auebach und Schwarza sind grundsätzlich bei Tunnelbauarbeiten dieser Komplexität nicht unüblich. Sowohl im Zuge der Planungen als auch im Zuge der Behördenverfahren wurden derartige Szenarien berücksichtigt, sodass wir in Abstimmung mit der Behörde und ihren Sachverständigen rasch und umgehend auf die Herausforderungen, die uns der Berg gestellt hat, reagieren konnten. Wir sehen daher rechtlich keine Grundlage für eine Wiederaufnahme des Genehmigungsverfahrens. Sollte uns ein Antrag übermittelt werden, werden wir diesen inhaltlich prüfen und dazu Stellung nehmen.